Mellia- An der Außengrenze Europas.

So wenig Zeit ist vergangen und so viel ist passiert. Verrückt. Wir befinden uns schon wieder auf der Rückreise. Die Fähre legt gerade vom Hafen ab. Die Zeit war anders als erwartet, aber trotzdem so gut und gesegnet.
Am 8.05 sind wir um 8:00 in Melilla angekommen. Ein bisschen müde aber voller Abenteuerlust. Melilla ist eine spanische Enklave und befindet sich an der Nordküste Afrikas. 
Den Tag starteten wir in einem schönen Cafe an der Strandpromenade. „Un Cafe con leche porfavor.“ Es war spannend die verschiedenen Menschen zu beobachten und einen Eindruck vom Stadt Leben zu bekommen. Auf der einen Seite sah man viele Frauen mit langen Gewändern und Kopftüchern, die die Gesichter verschleierten. Auf der andern Seite wurde die Freizügigkeit der Europäer sichtbar. Trotzdem trafen uns viele Blicke. Schließlich stachen wir durch unsere Blonde Haarfarbe herraus. So manche Blicke lösten bei mir Unbehagen aus. Ich fühlte mich dennoch sicher und überlegte woher mein Unbehagen kam. Wahrscheinlich weil es fremd ist und mein Blick durch Erzählungen, Erlebnisse und Nachrichten nicht neutral ist, dachte ich. Deshalb freute ich mich darrüber die Möglichkeit zu haben mir einen kleines, kurzes eigenes Bild machen zu dürfen.
Anna und ich begannen die Stadt zu erkunden. Wir besichtigten die Burg und bewunderten den Ausblick auf die Stadt und die afrikanische Küste. Später aßen wir unser Mittagessen in einem grünen, lebendigen Park, machten Pause an einer Bucht und schauten uns ein paar Läden an. Es war seltsam wie je nach Gegend die Menschen und ihre Erscheinungsbilder variierten und damit auch mein Wohlbefinden.
Nach dem Essen machten wir uns auf den Weg zu unserem Air BnB Host. Die Gegend war zentral im östlichen Teil der Stadt. Nach ein paar Versuchen fanden wir das Haus. Um nicht zu früh dort zu sein, warteten wir vor der Tür. Dann klingelten wir und wurden anders begrüßt als erwartet. Keine Ana, sondern ein Francisco öffnete uns die Tür. Ein Mann, der mir auf den ersten Blick seltsam vorkam. Er erzählte uns, dass er der Freund von Ana sei, mit der ich auf Air BnB geschrieben hatte. Sie wäre spontan zu ihren Eltern gefahren und würde erst nächste Woche zurück kommen. Das sei aber kein Problem, da wir mit ihm wohnen könnten. Das kam uns absolut komisch vor. Selbst wenn es stimmte, wollte ich auf keinen Fall alleine bei ihm wohnen. 
Wir sagten ihm, dass wir uns nochmal überlegen wollten und machten uns auf den Weg zu Mc Donalds um mit Internet, Strom und Eis eine Lösung zu finden. Wir beteten für eine Lösung. Ich finds mega wie Anna und ich gemeinsam beten können und Gott in unsere Reise/Entscheidungen mit einbeziehen. Schließlich entschieden wir uns gegen Air BnB und für eine Nacht im Hotel. Die Fährfahrt konnten wir Gott sei Dank ohne Probleme um einen Tag nach vorne verlegen. Für einen weitere Nacht hätte unser Bargeld nämlich nicht ausgereicht. Erleichtert vielen wir in die Hotel Betten und machten uns abends auf den Weg zum Strand. Der Strand war so weich und fein, dass tat meinen abgelaufenen Füßen mehr als gut. Vor Sonnnenuntergang gingen wir zurück zum Hotel #savetyfirst und schauten einen Film bis wir schlafen gingen. 
Am nächtsen morgen klingelte mein Wecker um 8:30. Wir wollten unsere verbleibene Zeit nutzen um die Grenze nach Marokko zu besichtigen und um ganz eventuell kurz über die Grenze zu gehen. Ich war mir unsicher. Schließlich wollte ich kein unnötiges Risiko eingehen. Andererseits war meine Neugier größer und Marokko war ja eigentlich das ursprüngliche Ziel unserer Reise gewesen. 3, 3 Km  lang war der Weg zu der Grenze nach Beni Ensar. Wir liefen die Hauptstraße und es war krass wie man an Menschen, Sauberkeit und Infrastruktur merkte, dass man das spanische Gebiet langsam verlies. Immer mehr Blicke auf uns und keine Frauen ohne Kopftuch waren mehr zu sehen. Die Luft war heiß, mein Rucksack schwer und meine Füßen taten weh. Aber ich wollte diese Grenze sehen. Anna und ich banden uns gegeseitig ein Kopftuch, was erstaunlicher Weise einen großen Unterschied machte. Am Grenzaun angekommen, war eine ganz neue, andere Grundstimmung. Arme und sichtbar kranke Menschen. Viele junge Männer, die uns anstaarten. Ich sah den Stacheldraht Zaun. Vor zwei Tagen hatte ich noch gelesen, dass hier bereits Flüchtlinge auf ihrem Fluchtweg durch Verletzungen und Verblutungen ums Leben gekommen sind. 
Vor der Grenze war ein großes Menschengetümmel. Darin versuchten wir uns zurecht zufinden und den Übergeng zu finden. Aber sollten wir herüber gehen? Wir hatten nicht viel Zeit. Um 13: 30 sollten wir spätestens an der Fähre sein. Ich dachte an die Worte eines Freundes. "Just because the stamp or why do you want to cross the border?" Ja und Nein, aber jetzt waren wir hier und deshalb wollte ich die Gelegenheit nutzen. Der Üergang ging ohne Probleme. Die Beamten konnten Englisch und waren sehr freundlich. Erinnerten uns daran, dass wir umbeding einen Stempel bräuchten und fragten uns, ob wir wegen unserer Kopftücher Muslime seien.  Dann führte ein langer Gang, links und rechts mit Mauern versehen nach Marokko. Krass wie unterschiedlich Orte und Straßen aussehen können, die nur 20 Meter voneinander entfernt sind. Ein alter Taxifahrer sprach uns erst auf Englisch und dann auf Deutsch an. Interessiert daran, was wir beiden in Marokko vor hatten. Die meisten Geschäfte hatten wegen des Ramadans geschlossen. Nach etwa 15 Minuten machten wir uns dann auf den Rückweg.  Das mussten wir den Beamten erst einmal erklären. Schließlich waren wir aufgefallen. Trotzdem klappte alles ohne Probleme. Wir fuhren mit dem Bus zurück und beendeten unseren Aufenthalt so, wie wir ihn begonnen hatten „ Un Cafe con leche porfavor“. Krass, 1 1/2 Tage mit so vielen Eindrücken und Erlebnissen. Eins steht fest. Hier komme ich auf jeden Fall noch mal zurück. Das nächste mal vielleicht aber doch mit mehr Zeit und männlicher Begleitung. 

Wenn euch Melilla oder das Thema europäische Außengrenzen interessiert, dann schaut mal hier vorbei. https://www.youtube.com/watch?v=g5KGMjco-oE

Liebste Grüße 

Becci

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Herzlich Willkommen